Faszination Schmiedekunst

Ausstellung Damaszenerstahl 18. April bis 20. Juni

 

Faszination Schmiedekunst, Königsdisziplin Damaszenerstahl

 

Paneuropäische Wanderausstellung im Haus FeRRUM eröffnet

 

 

 

Unter Patronanz der Schwarzen Grafen und des Obmannes des Kulturpark NÖ Eisenstraße wurde die Ausstellung durch den Präsidenten des Vereines "Ring der Europäischen Schmiedestädte" feierlich eröffnet.

 

 

 

HTL-Direktor Hofrat DI Gernot Walter referierte zum Thema "Damaszenerschmieden". Er widmete sich dabei der Geschichte und der Anwendung dieser hohen Kunst des Schmiedens. Besonders erwähnte er die erfolgreiche und regelmäßige Durchführung von Damaszenerschmiedekuresn in Ybbsitz.

 

 

 

Die Eisenstraßenwirtin Maria Pichler überraschte die Besucher mit einer besonderen Süßigkeit, einer von ihr persönlich zubereiteten Damaszenerschnitte.

 

 

 

 

 

Die Mythen und Legenden, die sich um Damaszenerstahl ranken, sind ungezählt. Sie ziehen sich durch mehr als ein Jahrtausend der Technikgeschichte. Vieles ist Unsinn. Doch viel mehr erzählt der Damaszenerstahl von vorzeitlichen Handelsbeziehungen und von Technologietransfer quer durch Asien bis nach Europa. Bis in die Gegenwart kann teilweise nur erahnt werden, was vorzeitliche Schmiede in Indien oder Persien, in Japan, aber auch Europa an technisch hochspezialisiertem Wissen über Werkstoffe und Materialien, über Bearbeitungs- und Verarbeitungstechniken einst angehäuft, weitergegeben und überliefert haben. Die Herstellung und Verarbeitung von Damaszenerstahl ist bis heute die Königsdisziplin in einem der ältesten Handwerksberufe der Welt, dem Schmieden. Wer sich vergegenwärtigt, dass Menschheitsepochen, die Bronzezeit, die Eisenzeit, nach Metallen benannt worden sind, erst der erfasst, welche Bedeutung dem Schmiedehandwerk in der Menschheitsgeschichte zukommt.

 

 

 

Das heutige Schmieden von Damaszenerstahl ist dabei eine Kunst, die erst vor knapp 30 Jahren in Europa eine Renaissance erlebt hat. Es war der Manfred Sachse, der 1979 mit einem Symposium auf Schloss Rheydt diese „Wiederentdeckung“ eingeleitet hatte; und parallel dazu Heinz Denig im pfälzischen Trippstadt, der davon unabhängig seine ersten Versuche im Schmieden von Schweißverbundstahl unternahm. Sachse und Denig haben ihr Wissen in Büchern zusammengefasst, die als unumstrittene Standardwerke gelten. Sie haben so eine neue Generation von Schmieden begründet und angeleitet, die heute rund um den Globus Damaszenerstahl in Perfektion herstellt und bearbeitet. Die genaue Bezeichnung für Damaszenerstahl heißt Schweißverbundstahl. Zweite und metallurgisch-technisch noch hochwertigere Spielart ist der so genannte „Schmelztiegeldamast“ – bekannt auch unter „Wootz“ oder „Bulat“.

 

  

 

Eingedenk dieser Renaissance, als Dokumentation handwerklich herausragender Kunstfertigkeit, aber auch als Ausblick auf zukunftsweisende und neue Strömungen im Schmuck- und Objektdesign in Metall, hat sich der „Ring der Europäischen Schmiedestädte“ einem ehrgeizigen Vorhaben verschrieben: Von 2008 bis 2011 wird dieser kommunale Partnerverbund von 17 Städten und Gemeinden in Deutschland, Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Finnland, den Niederlanden und der Ukraine die „Königsdisziplin Damaszenerstahl“ mit einer Ausstellung erlesener Objekte auf Wanderschaft schicken. Gemäß den Statuten des Ringes der Europäischen Schmiedestädte, die Metallbearbeitung und das Schmiedehandwerk einer breiten Öffentlichkeit wissenschaftlich, kulturell und touristisch zu erschließen, wird die „Wanderausstellung Damaszenerstahl“ die Faszination der Metallbearbeitung in höchster Vollendung einem großen Publikum vorstellen.

Siehe www.damaszener-ausstellung.de

 

Die Reise der Ausstellung begann im August 2008 zur „7. Biennale der Kunstschmiede und Metallgestalter“ im oberbayerischen Kolbermoor und führt in den Folgejahren von Stia in der Toskana bis nach Mynämäki in Finnland, von der Bergbau- und Stahlmetropole, der Millionenstadt Donezk in der Ostukraine bis in die traditionsreiche Eisengussgemeinde Oude IJsselstreek in den Niederlanden, und in die der „Eisenwurzen“ in Österreich, in die Hammerschmiedegemeinde Ybbsitz.

 

 

 

In der „Wanderausstellung Damaszenerstahl“ präsentieren rund 30 Kunst- und Damastschmiede, Objektkünstler und Schmuck-Designer aus ganz Europa herausragende Metallkunstwerke, die in jüngster Vergangenheit in ihren Werkstätten und Ateliers entstanden sind. Damaszenerstahl ist heute nicht mehr nur auf Messer- oder Schwertklingen festgelegt. Vielmehr hat diese hochartifiziellen Technik und die verwandte Buntmetall-Technik Mokume Gane auch den Bereich des erlesenen Schmucks für Damen und Herren erobert. Dazu sind neue Design-Ideen für angewandte Objektkunst und Gebrauchsgegenstände wie Essstäbchen, Maultrommeln oder Schalen und Vasen entstanden.

 

 

 

Die Wanderausstellung des Ringes der Europäischen Schmiedestädte gibt 30 Jahre nach Sachses und Denigs „Renaissance“ erstmals einen faszinierenden Überblick über zeitgenössisches Kunstschaffen in Damaszenerstahl und Mokume Gane. Die Arbeiten einer neuen, der nächsten Generation von Damastschmiedinnen und -schmieden versammeln sich zu einem intensiven Kunsterlebnis voller epochaler Faszination.

 

Das paneuropäische Projekt nahm endgültig Fahrt auf, als sich zu den ehrenamtlichen Organisatoren der Ausstellung und zu den Schmiedekünstlern, die ihre oft mehrere Tausend Euro teuren Objekte für drei Jahre der Ausstellung überlassen (anstatt sie zum Broterwerb zu „versilbern“), potente Partner in den Ausstellungsorten gesellten.

 

 

 

Kein Stahlunternehmen wäre heute denkbar ohne die Pionierleistungen der Schmiede und mittelalterlichen Hüttenarbeiter. Kein Stahlbauer würde heute existieren, hätten die Schmiede nicht einst ihre Verbindungstechniken ersonnen. Die Architektur wäre um die europäischen Kathedralen ärmer, hätten die Schmiede nicht einst jene Anker im Feuer geformt, die die Mauern bis heute zusammen halten. Was wären die Städte Europas ohne Jugendstil und Art Deco, ohne Stilepochen, die nicht zuletzt von Kunstschmieden geprägt wurden. Die Wanderausstellung ist somit auch eine Reminiszenz an die Leistungen vergangener Generation von Tüftlern, Erfindern und Pionieren. Einst schufen die Schmiede auch Waffen. Vom Blut, das an daran klebte, haben sie sich in der Neuzeit befreit. Heute schaffen die Schmiede Kunst in Metall von erlesener Qualität. Schmiedekunst ist Menschheitsgeschichte, das Damazenerstahlschmieden die Königsdisziplin.

 

Eröffnung der Ausstellung:

17. April 2010 - 20.00 Uhr Haus FeRRUM

 

Dauer der Ausstellung:

18. April bis 20. Juni 2010 zu den Öffnungszeiten des Museums

 

INFO:

1. Ybbsitzer Messermarkt am 18. April 2010 - 9.00 bis 17.00 Uhr